Im 150. Geburtsjahr von Frank Wedekind zeigt das theaterzentrum deutschlandsberg seine bekannte „Kindertragödie“.
Tragisch ist das Kindsein manchmal, und noch tragischer ist es, kein Kind mehr zu sein. Die Jugendlichen schweben irgendwo zwischen Prinzesschenkleid und Nachtschlumpe, zwischen Schulstress und Liebeskummer, zwischen Wissen und Wollen. Ihre Eltern sind Erziehungskonzepte, an denen man scheitern muss. Es gibt keine Liebe, es gibt keine Aufopferung, sagt Melchior. Wendla sehnt sich nach Schmerzen. Moritz sehnt sich nach Freiheit und Ilse weiß, dass auch die schmerzt.
Aber das ist jetzt im Moment alles gar nicht so wichtig. Was jetzt zählt, ist nur: Hast du den Lateinaufsatz schon?
Mit
Fließer Julia, Jakob Julia, Kainz Maria, Maier Anna, Mußbacher Lena, Semlitsch Larissa, Truppe Lena, Koch Alexander, Michelitsch Lukas, Reichel Robert, Reinisch David
Regie
Diwiak Irene
Regie-Assistenz
Windisch Johannes
Bühnenbau & Technik
Kügerl Francis
Kostüme
Malli Sandra
Produktionsleitung
Gerd Wilfing
Pressestimmen
Steirer Krone, 09.03.2014
Zeitloser Hunger der Jugend
Im 150. Geburtsjahr von Frank Wedekind gilt sein "Frühlings Erwachen" als Klassiker dessen, was man heutzutage als Teenage-Angst bezeichnet. Das einstige Skandalstück, das mit den Konventionen des Theaters und der bürgerlichen Moral brach, ist in Zeiten des Internets zum Sehnsuchtsstück geworden.
Kommen die Kinder vom Storch? Mit Geheimnistuerei und floskelartigen Halbwahrheiten antworten die Eltern in "Frühlings Erwachen" auf die Fragen ihrer Kinder. Beinahe sehnsüchtig blickt man heute durch die Augen von Wedekinds Figuren auf eine Zeit zurück, als Sexualität noch ein Mysterium war. Doch auch in den hypersexualisierten Zeiten des Internets sind aufkeimende Erotik, Leistungsdruck, das Spannungsfeld zwischen Individualisierung und Gruppenzwang Teil der Teenage-Angst, für die "Frühlings Erwachen" ein Schlüsseltext geworden ist.
Irene Diwiak und Johannes Windisch bleiben dem Original in ihrer Inszenierung im TZ Deutschlandsberg textlich ziemlich nahe und setzen vor allem auf starke Stimmungsbilder. Versatzstücke wie Playboy-Magazine und vor allem die musikalischen Akzente der Band [insert:sound] lassen erkennen, dass dieser Produktion die Gegenwart durchaus bewusst ist. Doch die Figuren werden in ihrer Zeit belassen. Ihr unstillbarer Hunger nach neuen Erfahrungen ist so oder so zeitlos und wird von einem exzellent choreografierten Ensemble - allen voran Alexander Koch, Lukas Michelitsch und Lena Truppe - auf die Bühne gebracht. CH
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Kleine Zeitung, 14.03.2014
Zwischen Homer, Faust, Playboy und Hormonen
Es gärt bei Wedekinds "Kindertragödie".
DEUTSCHLANDSBERG. Was vor über 100 Jahren noch ein Erzskandal war, zählt heute zur multimedialen Dauergarnierung. Doch die Facetten der Sexualität zu Zeiten rigider Erziehung sind nur ein Aspekt in Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen".
Jugendliche Unsicherheit und Ängste haben indes kein Ablaufdatum, worauf sich Irene Diwiaks clevere Fassung konzentriert. Mit Johannes Windisch zeichnet sie auch für die Regie im Theaterzentrum. Zwischen jungfräulichem Weiß und Trauerschwarz (Kostüme: Sandra Malli) rüttelt die junge Top-Crew mit den Hauptdarstellern Lukas Michelitsch, Lena Truppe und Alexander Koch bei Homer, Faust, Playboy und Hormonausschüttungen am Nervenkorsett. In eindringlichen Szenen auf Francis Kügerls mit weißen Stühlen bestückter Bühne keimen Begehren, erdrücken Schulstress, Bildungsprestige und im Freitod endende Amokfantasien. Wie in einem Adlerhorst wachen die Erwachsenen über allem, während die Band im Kubus mit Rockklassikern die düsteren Entwicklungen aufwühlt. Hut ab vor dieser tollen Leistung!
ELI SPITZ
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Weststeirische Rundschau, 14.03.2014
Gefühlsverwirrungen im TZ
Als Frank Wedekind seine "Kindertragödie" "Frühlings Erwachen" schrieb, die 1906 in Berlin uraufgeführt wurde, sorgte er für viel Aufsehen, ja für einen Skandal. Pubertätsnöte einer vor allem im Elternhaus verständnislos behandelten Jugend, Geschlechtliches, Sex, Überforderung und ein nicht Zurandekommen mit dem eigenen Ich, Selbstmord und Tod nach einer Abteibung - Probleme von Jugendlichen, die es damals einfach nicht zu geben hatte, über die man vor mehr als 100 Jahren nicht sprach.
Kann das heute noch ein Thema sein? Interessiert das heute noch jemanden in Zeiten des Internets, in denen schon die 4-Jährigen nicht mehr an den Storch glauben müssen?
Ja, wenn es so aufbereitet wird, wie es im TZ zu sehen ist - gekürzt und auf das Wesentliche, die zeitlose Suche nach Erfahrungen und nach dem Sinn des Lebens, beschränkt. Ein tolles Ensemble, tolle Musik, eine Produktion, nicht nur für Jugendliche, sondern für alle jene ohne Altersbescränkung, die anschruchsvolles Theater mögen.