Der heute nahezu in Vergessenheit geratene Bauernschwank über "zwei ledige Lötter", die Opfer einer perfiden Intrige werden, aber dadurch doch noch zu ihrem Lebensglück zu finden scheinen, wurde vor genau 90 Jahren das letzte Mal in Deutschlandsberg inszeniert. Für das theaterzentrum Anlass genug, als endgültig letzten Beitrag zum hundertjährigen Stadternennungsjubiläum, den damaligen Regisseur des Stückes für eine Neuinszenierung zu gewinnen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Auch in Deutschlandsberg.

Christoph Theussl erarbeitet mit dem Ensemble des theaterzentrum deutschlandsberg eine "Stück-im-Stück Schachtelkomödie" - basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück von Alois Gfall - für eine Zeit, in der ein einfaches Happy End schon lange nicht mehr ausreicht.

Mit
Yvonne Beck, Sepp Brauchart, Kathrin Diwiak, Katrin Engelbogen, Arlind Hagjija, Christoph Kugler, Astrid Maier-Ferra, Gerd Wilfing und Thorsten Zerha

Bühnenbau
Francis Kügerl

Kostüme
Katrin Engelbogen

Musik
Susanne Eigner

Licht
Peter Michelitsch

Regie-Assistenz
Lena Truppe

Regie
Christoph Theussl

 Pressestimmen

Kleine Zeitung, 16. Dezember 2018

Eseleien mit Witz und Hirn
Alter Bauernschwank wird kritisch aufbereitet.

Watteverwittert steigt der Regisseur von 1928 im TZ Deutschlandsberg aus dem Sarg und wird bei der Generalprobe belehrt: Über Frauenbeleidigung und Antisemitismus lache heute niemand mehr. Regisseur Christoph Theussl gelingt mit dem zuletzt vor 90 Jahren in Deutschlandsberg aufgeführten und zum heuer 100-jährigen Stadternen­nungsjubiläum als Stück im Stück aufpolierten Bauern­schwank „Die Junggesellen­steuer“ ein feiner Schachzug. Gewitzt unterbricht Unbeha­gen am Original die mit Slap­stick, Eselei und Karikatur genussvoll gewürzten Späße. Zum Schieflachen sind die Langzeitledigen Kathrin Diwi­ak als Mops im Dirndl und die derrische Astrid Maier-Ferra beim Buhlen um die verschro­benen Bergwichtel Gerd Wil­fing und Thorsten Zerha. Köstlich Christoph Kugler als kuppelndes Schlitzohr, der ,,schlagkräftige" Sepp Brau­chart, Watschenfänger Arlind Hagjija und k. k. Oberst Katrin Engelbogen: Ein tolles Ensem­ble!
Elisabeth Willgruber-Spitz

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Weststeirische Rundschau, 21. Dezember 2018

Es darf herzlich gelacht werden …

Dass sich die TZler für ihre Silvester- Vor-und „Da­nach"-Aufführungen immer ein lustiges Stück aussu­chen, ist evident. Ganz klar, möchten doch viele Besucher speziell Sivester nicht nur in netter Gesell­schaft, sondern auch recht unterhaltsam verbringen. Und warum nicht mit einer Theateraufführung!
Mit der ,,Junggesellensteuer", einem Bauern­schwank nach Alois Gfall, hat man heuer ein Stück ge­wählt, das eigentlich nicht so ganz in das TZ-Konzept passt. Es sei denn, man lässt einen Regisseur wie Chris­toph Theussl die Geschichte zweier Junggesellen und zweier alter Jungfrauen in Zusammenarbeit mit dem Ensemble bearbeiten und die Geschichte in einer Ge­schichte neu erzählen. Dann wird es lustig und dank des routinierten Ensembles ein Heiterkeitserfolg. Im TZ nennt man es einen „Wieder­belebungsversuch" - Zum Ersten: was beim Autor Gfall noch möglich war - ein einfaches Happy End - reicht heute bei weitem nicht mehr aus. Außer­dem sind Antisemitismus und Beleidigungen der Frauen schon gar kein Thema! Zum Zweiten: Vor über 90 Jahren, im März 1928, wurde die „Junggesellensteuer" in Deutschlandsberg bereits von der damaligen Deutschlandsberger Volksbühne im Saale des Gastho­fes Erregger (Brudermann-Ladler, jetzt Laßnitzhaus) ,,flott wieder­gegeben".
Unter der Regie von Josef Frodl, dem damals bekannten Kapell­meister und Organisten, wurde 1928 an einem Samstag und an einem Sonntag der humorvolle bäuerliche Schwank von Mitzi Partl, Mizzi Tricher, Julius Koch, Fritz Eimer, Ferdinand Papouschek, Peter Krasser, Franz Eritz, Frau Hauser und Frl. Steinmeier „glänzend" zur Aufführung gebracht. Auch die anderen Darsteller, so besonders Hans Lamperti, Luise Partl und N. Pfingstl „bewiesen bestes Können und „sehr diskret betätigte sich Frau Frieda Patsch als Einsagerin." Die Zwischenmusik hatte damals die Heimwehr-Kapelle unter Hans Deutschmann besorgt, die gleichfalls viel Beifall erntete.
Die WR hatte damals die „Auffüh­rungen als Ganzes sehr ge­lobt" und darauf hinge­wiesen, dass der reiche Bei­fall wohlverdient war. Ob man sich 2108 - also in 90 Jahren - sich auch an die heu­rige Aufführung ennnern wird ... ?
Das TZ will damit heuer zum 100-Jahr-Jubiläum der Stadt auf seine Weise den al­lerletzten Beitrag dazu liefern und auch beweisen, dass man in Deutschlandsberg schon immer gerne gelacht hat. Nur das „Worüber" hat sich in den 90 Jahren natürlich geändert!
Wie immer! Zurück zur Premiere, die am 14. Dezem­ber stattfand und das hielt, was man sich erwartete: einen humorvoll verpackten Theaterklamauk im besten Sinn des Wortes mit den Garanten Kathrin Diwiak, Astrid Maier-Ferrra, Katrin Engelbogen, Gerd Wilfing, Thorsten Zerha, Sepp Brauchart, Christoph Kugler und Arlind Hagjija.
Zuviel soll natürlich nicht verraten werden - eines viel­leicht noch: Dass man den Regisseur von 1928 voll mit „Spinnwe­ben" wieder aus dem Sarg geholt hatte, um ihm bei der Probe 2018 zu erklären, dass vieles, das damals textmäßig möglich war, heute keinesfalls mehr auf die Bühne gehört. Dass auch die Kostüme über­spitzt und überzeichnet dem Milieu von damals angepasst wurden, unterstreicht zusätzlich die kritische Aufbereitung dieses Schwankes; bei dem man auch auf eine „Einsagerin" wie 1928 natürlich verzich­tet hatte. (No na!)