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Der Goldfasan

von Irene Diwiak

Ein Mann in Uniform hat seinen Reiz. Als Witwe, noch dazu ohne Geld, kann man nicht wählerisch sein. Und obwohl er ein unangenehmer Mensch ist, kann eine gute Beziehung zu ihm durchaus angenehm sein ...
Im neuesten Werk der schon mehrfach ausgezeichneten Jungautorin Irene Diwiak, geht es um das Schicksal einer österreichischen Familie im Jahre 1938. Es erzählt vom Mitlaufen und vom Weggehen ...

Mit
Johannes Windisch, Johanna Knopper, Christoph Kugler, Vera Rupp, Christina Resch, Lena Truppe, Katrin Engelbogen, Anna Maier und Lukas Michelitsch

Licht/Bühne
Francis Kügerl

Text
Irene Diwiak

Produktionsleitung
Gerd Wilfing

Regie-Assistenz
Simone Leski

Kostüme/Regie
Sandra Malli

Pressestimmen

Steirer Krone, 13.11.2010:

Ein Stück Historie
Furios hat Elfriede Jelinek in „Rechnitz“ tragische Ereignisse der NS-Geschichte anhand relativ unbedeutender Figuren abgehandelt. Irene Diwiak versuch im Stück „Der Goldfasan“ im TZ Deutschlandsberg ähnliches.
Eine opportunistische Witwe (Johanna Knopper) zieht mit ihren drei Töchtern und der Lebenslüge über eine nie gelebte Vergangenheit in die Stadt - in ein Haus, das (noch) Juden gehört. Der Nazi-Ortsgruppenvorsteher (Johannes Windisch) interessiert sich für die feschen Frauen genauso wie Arthur (Christph Kugler), ihr Nachbar, dessen Verlobte politische Pamphlete gegen die Nazis schreibt. Dies ist die Personenkulisse, über der Diwiak die Reichskristallnacht aufziehen lässt.
Die Stärken des Textes liegen weniger in der Konstruktion der Handlung anhand von Operettenzitaten als in jenen Momenten, in denen Diwiak zwei Figuren aufeinanderprallen lässt. Hier werden die Konflikte des Stücks am besten greifbar. Regisseurin Sandra Malli hat die Figur der jüngsten Tochter Elisabeth (Lena Truppe), die den Tod des Vaters als Untergang des Guten verinnerlicht hat, am prägnantesten ausgearbeitet, andere Figuren bleiben eindimensional, in der Charakterisierung fehlt die letzte Schärfe.
„Der Goldfasan“ ist so zwar eine gelungene theatrale Ausarbeitung einer Geschichtsstunde - es wäre aber noch mehr drin gewesen. CH

 

Kleine Zeitung, 18.11.2010:

Wie man es sich in bösen Zeiten richtet
DEUTSCHLANDSBERG. Die mehrfach ausgezeichnete Jungautorin Irene Diwiak zeigt in „Der Goldfasan“, wie eine verrohte Gesellschaft ans vereinfachte Märchen von guten Zeiten glaubt. Kurz vor der Reichskristallnacht treiben Witwe Johanna Knopper samt drei Töchtern und Nazi-Ortsgruppenleiter Johannes Windisch schamlos berechnende Spiele. Beachtliche Leistung der jungen Crew vom TZ unter Regisseurin Sandra Malli. Allen voran glänzt Lena Truppe als verdrehte Jüngste. EWS

 

Weststeirische Rundschau, 19.11.2010:

„Sogar im Schnaps schwimmt noch ein Brösel Politik“
Was sicherlich erstaunte, war die Auseinandersetzung der Jungautorin Irene Diwiak mit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, einer Zeit der Angst und des Hasses, der Zeit der Emporkömmlinge, wie die der „Goldfasane“, der Diskriminierung und der beginnenden Verfolgung der jüdischen Bevölkerung, der Anfeindungen und der Ausgrenzungen Andersdenkender. Wohin dies geführt hatte, ist hinlänglich bekannt.
„Wer sich nicht entscheidet, für den wird entschieden“ - Diwiak zeichnet ein erschütterndes Bild dreier Beinah-Familien. Einer jungen Witwe (Johanna Knopper), die mit ihren drei unterschiedlich veranlagten Töchtern, der oberflächlich agierenden Christine (Vera Rupp), der belesenen Josefine (Christina Resch) und der verträumten, introvertierten Lisa (Lena Truppe) in der Stadt auf der Suche nach einem passablen Partner ist. Eines Pärchens, des Theologiestudenten Arthur (Christoph Kugler) und seiner mit den Sozialdemokraten sympathisierenden Freundin (Katrin Engelbogen), der jungen Jüdin Stella Sara (Anna Maier) sowie eines aufgrund der Armut stehlenden jungen Burschen (Lukas Michelitsch). Ihrer aller Wege kreuzt Bertram Zögling, der „Goldfasan“, dessen Knöpfe ebenso glänzen wie Johannes Windisch in dieser Rolle. Sie alle entscheiden sich, müssen sich entscheiden - jeder auf seine Art -, denn Kompromisse hat es in jener Zeit nicht gegeben. Der Geschichte liegt kein tragisches Ereignis wie etwa bei Jählings oder Turins NS-Geschichten zugrunde. Es sind unbedeutende Personen, die sich’s richten. Ausnahme die jüngste Tochter Lisa - eine Paraderolle für Lena Truppe - die die Oberflächlichkeit, die Lüge ihrer Familie, nicht mittragen, am „Guten“ festhalten möchte.
Es ist schon lange keine Überraschung mehr, dass das Theaterzentrum über eine ganze Reihe vorzüglicher Akteure verfügt. Die Jugend hatte diesmal auf allen Linien „das Wort“. Sandra Malli Regiearbeit war stimmig ebenso wie Francis Kügerl Bühne über drei Etagen. Allen Akteuren gilt es zu ihren Leistungen zu gratulieren! (…)
„Lernen Sie Geschichte“ hat einmal ein großer Politiker gesagt. Diwiaks Stück bietet ansatzweise die Möglichkeit dazu.

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